Orgelweihe war am 12 November 1994                                               


ZUR DISPOSITION DER NEUEN ORGEL

Die Disposition einer Orgel richtet sich nach den architektonischen und akustischen Verhältnissen des sie umgebenden Raumes, denn dieser Raum bildet eine Art Resonanzkörper. In der Disposition werden die Register nach Klangfarbe, Tonhöhe und Bauformen zusammengestellt. Ziel ist eine möglichst große Vielfalt an Klängen, die sich dennoch zu einem einheitlichen Ganzen zusammenfügt.

Die verschiedenen Orgellandschaften haben im Laufe der Jahrhunderte jeweils ganz stark ausgeprägte Eigenheiten entwickelt. Diese lassen sich nicht in einem einzigen Instrument vereinen, da sich letztlich kein Überzeugendes Klangkonzept ergeben würde. Die Orgel, auf der man alles spielen kann, existiert nicht!

Bei der Disposition der neuen Orgel für die Neusser Pfarrkirche Heilig-Geist entschieden sich die Verantwortlichen für eine Lösung mit der Werkaufteilung Hauptwerk, Schwellwerk und Pedal. Infolge der begrenzten Registerzahl konnte das Schwellwerk nicht als ausgeprägtes Crescendomanual angelegt werden, sondern es erhielt eher den Charakter eines mit lyrischen Stimmen besetzten Werks, dessen Farben mittels der beweglichen Jalousien abschattierbar sind. Durch diese Flexibilität wird es auch zu einer wichtigen Hilfe bei der Begleitung des Chores. Auf die Kopie historischer Vorbilder wurde ganz bewußt verzichtet, da neuzeitlicher Orgelbau zu allen Zeiten eigene Wege ging und jede gute Orgel ein "Original" sein sollte. Selbstverständlich blieben gewachsene Traditionen dennoch nicht ohne Beachtung.

Letztlich ist eine Disposition auch nur "Papier". Erst die Kunst des Orgelbauers setzt sie in lebendigen Klang um. Das Ergebnis wird dem einen gefallen, dem anderen nicht, die wichtigste Forderung bleibt, daß das Konzept in sich stimmt und die Realisierung desselben mit der größtmöglichen Sorgfalt erfolgt.

Die neue Orgel verfügt über zwei Manuale (Hauptwerk, Schwellwerk) und Pedal.

Jedes dieser Teilwerke bildet ein in sich geschlossenes Instrument. Im Hauptwerk dominieren die Register des Prinzipalchores, dem die Mixtur den erforderlichen Glanz verleiht. Das Zungenregister Trompete 8' erfüllt solistische und Plenumsfunktionen. Das Oberwerk beherbergt neben den notwendigen Grundstimmen, deren Chor durch das helle Sifflet 1' gekrönt wird, Farbregister, die sich besonders zum solistischen Spiel eignen. Das Pedal besitzt vor allem Stimmen, die der Orgel die notwendige "Gravität" geben. Mit der Posaune 16' erhält das Organo Pleno Kraft und Würde. Zwei Pedalkoppeln ergänzen die vielfältigen Kombinationsmöglichkeiten.

Die Manualkoppeln gestatten eine Verbindung von Hauptwerk und Schwellwerk, die beiden Tremulanten bereichern die Klangfarbenpalette zusätzlich durch Beunruhigung des Orgelwindes.

Prof. Hans-Dieter Möller, Düsseldorf
in der Festschrift zur Orgelweihe
am 12. November 1994

 

 

DIE DISPOSITION DER SCHULTE ORGEL

I. Manual:
Prinzipal 8'
Rohrflöte 8'
Oktave 4'
Gemshorn 4'
Schweizerpfeife 2'
Mixtur 1 1/3'
Trompete 8'
Tremulant


Pedal:
Subbass 16'
Offenbass 8'
Gedecktbass 8'
Choralbass 4'
Posaune 16'

II. Manual:
Bourdon 8'
Gamba 8'
Flöte 4'
Nasard 2 2/3'
Prinzipal 2'
Terz 1 3/5'
Sifflet 1'
Hautbois 8'
Tremulant


Technische Daten:
2-manualige Schleifladenorgel
Tontraktur mechanisch
Registertraktur mechanisch
Spielhilfen: Koppeln I/P, II/P, II/I, Schwelltritt

Erbauer:
Orgelbau Siegfried Schulte, Kürten-Herweg

Sachverständiger:

Prof. Hans-Dieter Möller, Düsseldorf

Entwurf:
Siegfried Schulte /
Prof. Georg Ettl, Viersen

Technik:
Andreas Miebach (Firma Siegfried Schulte)

Intonation:
Karl-Josef Potthoff (Firma Siegfried Schulte)